Zu Johannes Brahms
„In meinen Tönen spreche ich“

Johannes Brahms kommt am 7. Mai 1833 in einem ärmlichen Viertel von Hamburg zur Welt. Sein Vater, Johann Jacob Brahms, Hornist und Kontrabassist, ist verheiratet mit der um 17 Jahre älteren Johanna Henrika Christina geb. Nissen. Mit elf Jahren geht Johannes Brahms in die Klavierstunden zu Eduard Marxsen, der die ungewöhnliche Begabung des jungen Schützlings sofort erkennt. Knapp zwanzigjährig geht Brahms auf Wanderschaft und macht Bekanntschaft mit dem hervorragenden Geiger Joseph Joachim, mit Franz Liszt und Robert und Clara Schumann. Schumann ist für Brahms Entwicklung bedeutend. Sein Urteil über Brahms in einem Schreiben an Breitkopf und Härtel: „Es ist hier ein junger Mann erschienen, der uns mit seiner wunderbaren Musik auf das allertiefste ergriffen hat und wie ich überzeugt bin, die grösste Bewegung in der musikalischen Welt hervorrufen wird." In Brahms Leben tritt mit der Gattin Schumanns, Clara Wieck, eine Frau, mit der ihn eine tiefe und komplizierte Liebesbeziehung verbindet. Zum Zeitpunkt des Todes seines schwermütigen, kranken Freundes Schumann in der Heilanstalt Bonn-Endenich (1856) ist die Beziehung noch sehr intensiv. Zusammen mit seiner Schwester, Elise Brahms, reisen Clara Schumann und Johannes Brahms in die Schweiz. Doch scheint Brahms Angst zu bekommen vor einer nun möglichen festen Beziehung. Er entscheidet sich (nicht das letzte Mal) für die Musik: „Ich bin verliebt in die Musik, ich liebe die Musik, ich denke nichts als sie und nur anderes, wenn es die Musik mir schöner macht.“ Von 1857 bis 1859 ist er Hofpianist und Chordirigent in Detmold, dann weilt er zwei Jahre in Hamburg, leitet einen Frauenchor, bricht künstlerisch unbefriedigt 1862 auf nach Wien, das er zwar zweimal wieder verlässt, das ihm aber doch zur eigentlichen Heimat wird. Auch hier arbeitet er viel mit Chören. Die menschliche Stimme fesselt ihn, und so widmet er ihr viele wichtige Werke: gegen 200 Lieder und – mit dem Deutschen Requiem – eines der bedeutendsten Werke der gesamten Chormusik. Als Pianist unternimmt er weite Reisen und als Liebhaber der Natur und alter Kulturen fährt er achtmal nach Italien, verbringt die Sommer in schönen Landschaften Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz (dreimal 1886–1888 am Thunersee). Seine Instrumental- und Vokalwerke erfreuen sich in ganz Europa grosser Beliebtheit und bringen ihm mehr ein, als er für sein schlichtes Leben benötigt. Am 3. April 1897 stirbt Brahms in Wien, ein Jahr nach Clara Schumann.

[ November 2004 | Aus dem Textheft | Zu Johannes Brahms | Zum Deutschen Requiem ]

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Last modified 17.02.2005