Die Messe in As-Dur
Das Stück für vier Singstimmen und Orchester ist ein ganz und gar romantisches, zugleich aber wahrhaft liturgisches Werk. Bereits das Kyrie legt den Charakter des Ganzen fest. Zwei Klarinetten und ein Fagott stellen den melodischen Hauptgedanken des Satzes wie eine Devise hin – aber nicht dominant und energiegeladen, sondern schlicht und innig. Der Chor nimmt diese Melodie auf und führt sie breit hinströmend weiter. Zweimal fügen die Solisten mit einem Seitenthema das Christe eleison ein, welches wiederum von den Holzbläsern eingeführt wird. Somit ergibt sich eine fünfteilige statt der damals üblichen dreiteiligen Form.

Das Gloria erklingt im für Schubert typisch terzverwandten E-Dur wobei diese Verwandtschaft den Zuhörer aufhorchen lässt. Denn die neue Tonart bildet zusammen mit den Blechbläsern einen starken Kontrast zum vorangegangenen Kyrie. Der strahlende Beginn dieses Satzes formt mit der grossen Schlussfuge den feierlichen Rahmen für das ganze Gloria. Dazwischen wechseln sich anmutige Melodien der Solisten, welche kammermusikalisch begleitet werden, mit kurzen Chorpassagen ab. Die Cum sancto-Fuge bildet den abschliessenden Höhepunkt. Während 207 Takten wird das eingängige Thema in mehreren Tonarten und Engführungen bearbeitet, bis die Fuge schliesslich auf zwei auf einander folgenden Orgelpunkten mit Würde und Gewicht endet.

Beim Credo erzielt Schubert Wirkung und Ausdruckskraft des grossen Glaubensbekenntnisses durch die musikalische Einheitlichkeit. Der sonst meist komplexe Satz hat hier nur drei Teile, wobei der Credo-Ruf als Leitmotiv mehrfach wiederholt wird. Der homofone, in traditionellem C-Dur erklingende Satz, wird nur einmal durch einen ruhigen Zwischensatz in As-Dur unterbrochen, in welchem Geburt und Passion Christi im Zentrum stehen. Die achtstimmige Passage berührt durch zarte Piani im Et incarnatus und durch eindringliche Kreuzmotive im Crucifixus.

Wie unliturgisch Schubert im Sanctus empfand zeigt die romantische Klangmalerei zu Beginn. Anstatt der lieblichen oder strahlenden Engelschöre erklingen aus der Ferne Waldhörner, die an die Natur und die Schöpfung der Welt erinnern. Die Akkorde steigern sich zum Fortissimo und quellen in mutigen harmonischen Rückungen über, in welche das Sanctus des Chors hereinbricht. Nach dieser mystischen Klangmalerei herrscht im Osanna schier ekstatische Freude. Das Benedictus schliesslich lässt die Solo- und Chorstimmen choralartig über einer gleichmässig schreitenden Bewegung der Bässe erstrahlen.

Das Agnus Dei in f-Moll erklingt als tröstender, melodiöser Gesang der Solisten, den der Chor nur durch ein leises Miserere beantwortet. Besonders reizvoll treten die mit Dämpfer gespielten Begleitstimmen der zweiten Violinen und Bratschen aus diesem schlichten Satz hervor. Mit dem Dona nobis pacem, welches in die Haupttonart As-Dur zurückkehrt, rückt der Chor wieder in den Vordergrund und führt im Wechsel mit den Solisten in lyrischer Emphase die Messe zu Ende.

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Last modified 29.08.2010