| Zur Geschichte des Requiems |
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Franz Graf von Walsegg, wohnhaft auf Schloss Stuppach am Semmering, will seiner im Februar 1791 verstorbenen, erst 21-jährigen Frau ein Denkmal setzen. Zu diesem Zweck bestellt er bei einem Bildhauer ein Grabmonument und bei Mozart die Musik für ein Requiem. Der Graf, ein musikbegeisterter Amateur, der sich gern hie und da mit fremden Federn schmückt und Auftragskompositionen als die seinen ausgibt, bestellt das Werk im Sommer 1791 anonym durch einen Boten. Mozart muss nach seiner Rückkehr aus Prag, wo er die Uraufführung seiner Oper «Titus» dirigiert hat, zuerst unter hohem zeitlichem Druck «Die Zauberflöte» fertig stellen. Erst Mitte September beginnt er mit der Niederschrift des Requiems. Nachdem er in den Jahren zuvor vor allem Opern und Instrumentalwerke komponiert hat, ist er als designierter Kapellmeister am Stephansdom motiviert, ein geistliches Werk zu schreiben. Die erhaltenen Originalquellen des Requiems zeigen auf, dass Mozart zuerst nur den Vokalsatz und Orgelbass mit Bezifferung und Andeutungen für die spätere Instrumentierung notiert. Mozart stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit und hinterlässt den nicht zu Ende geführten Kompositionsauftrag. Constanze koordiniert das Zusammenwirken der Kompositionsschüler Mozarts, Freystädler und Eybler, um den Auftrag fristgerecht abliefern zu können. Sie kann es sich nicht leisten, die ausstehende zweite Honorarhälfte zu verlieren. Freystädler und Eybler geben ihre Mitwirkung nach kurzer Zeit aus unbekannten Gründen auf. Das immer noch unvollendete Werk kommt schliesslich in die Hände von Franz Xaver Süssmayr, Mozarts Schüler und Assistenten der letzten Lebensmonate. Er hat bei den letzten Opernprojekten «Titus» und «Die Zauberflöte» als Kopist gedient und den Entstehungsprozess des Requiems aus nächster Nähe mitverfolgen können. Er überarbeitet die entstandenen Teile der beiden Vorgänger, ergänzt das noch Fehlende und besorgt die Reinschrift der Gesamtpartitur.
Mozart hinterlässt von den einzelnen Sätzen das «Requiem» und «Kyrie» vollständig und vom «Dies irę», «Tuba mirum», «Rex tremendę», «Recordare», «Confutatis», «Domine Jesu» und «Hostias» die vollständigen Singstimmen samt beziffertem Bass, das «Lacrymosa» ist angefangen (die ersten 8 Takte). Süssmayr führt den Satz zu Ende und komponiert das «Sanctus», das «Benedictus» und den ersten Teil des «Agnus Dei» neu hinzu. Bei seiner Arbeit kann er sich, nach eigenen Aussagen, auf Mozarts Notizen und seine zuvor mündlich erteilten Anweisungen stützen.
Die Witwe händigt dem Besteller, dessen Namen sie erst 1800 erfährt, das Requiem als ein komplettes Werk Mozarts Anfang 1792 aus. Franz Graf von Walsegg schreibt es ab und führt es im Dezember 1793 als Seelenmesse für seine verstorbene Frau auf. Das Requiem wurde aber bereits Anfang Januar 1793 in Wien, im Rahmen eines Benefizkonzertes zugunsten der Mozartwitwe und ihrer beiden Kinder, uraufgeführt.
Quellen:
Stegemann, Michael: Vivaldi, Rohwolts Monographien 2002;
Böttger, Dirk: Wolfgang Amadeus Mozart, dtv Portrait 2003;
Hennenberg, Fritz: Wolfgang Amadeus Mozart, rororo Monographie 2003 |
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