Aus dem Textheft
Liebe Konzertbesucherin, lieber Konzertbesucher

Das jüngste Konzertprogramm des LAUDATE-CHORS gibt Ihnen Gelegenheit, sich auf zwei bekannte Chorwerke der Komponisten Antonio Vivaldi und Wolfgang Amadeus Mozart einzulassen. Das Gloria RV 589 gilt als die bedeutendste geistliche Komposition Vivaldis und fand seit seiner Wiederentdeckung 1939 schnell Verbreitung. Es gehört heute zum Repertoire vieler Chöre, die sich mit der Aufführung geistlicher Musik beschäftigen. Vivaldi fügt – einem Kaleidoskop gleich – ganz unterschiedliche Chorsätze im Spannungsfeld zwischen barockem, strahlendem Glanz und verweilender Tiefgründigkeit zu einem unverwechselbaren, meisterhaften Ganzen zusammen. In Vivaldis Gloria dominieren die hellen Töne, Leichtigkeit im Ausdruck und fröhliches Gotteslob. Anders das zweite Werk, Mozarts Requiem. In der einzigartigen und nicht zuletzt dank dem Film «Amadeus» populär gewordenen Totenmesse prägen dunkle Töne, Melancholie und Dramatik die Stimmung. Mozart meidet konsequent hohe Holzblasinstrumente und ersetzt die hellen Klarinetten durch Bassetthörner. Die musikalische Umsetzung des bildhaften Textes ist deutlich hör- und sichtbar. Von der vermeintlichen Einschränkung im Ausdruck – im Vergleich etwa mit den romantischen Vertonungen des gleichen Textes – bleibt bei der intensiven Auseinandersetzung mit dem Notentext wenig übrig. Es ist ganz unerwartet, wie Mozart trotz der begrenzten Stilmittel der Klassik die Jenseitsvorstellungen dramatisiert. Der Text wird durch deutlich ablesbare Bilder und Symbole nachgezeichnet. Die konsequente Reduktion auf das Wesentliche ist faszinierend, macht es aber den Zuhörenden schwer, den genialen Gedankenreichtum und dessen musikalische Umsetzung zu verstehen. Einen bescheidenen und allgemein verständlich gehaltenen Einblick in die Kompositionswerkstatt Mozarts gewähren die Kommentare zu den einzelnen Sätzen weiter hinten. Bei allem Bemühen um das Erkennen und Aufdecken von Zusammenhängen ist es tröstlich zu wissen, dass sich das Werk dem Zuhörenden auch ohne verstandesmässige Nachvollzüge erschliesst und auf der emotionalen Ebene einen lange nachwirkenden Eindruck hinterlässt.

Wir wünschen Ihnen eine eindrückliche Begegnung mit zwei auf ganz unterschiedliche Weise faszinierenden Werken der geistlichen Konzertliteratur.

[ September 2005 | Aus dem Textheft | Zur Geschichte des Requiems ]

Copyright © 2010 by Laudate-Chor Thun
Last modified 25.06.2005