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Elias, oder der Klimawandel vor 2870 Jahren
Der Laudate-Chor vermochte das Publikum in der Thuner Stadtkirche mit seiner Aufführung des Elias zu begeistern.
Naturkatastrophen und Klimaveränderung sind nicht erst Erscheinungen des 20. Jahrhunderts. Schon um das Jahr 870 vor Christus regnete es laut dem biblischen Bericht aus 1. Könige, 18, Vers 1, 3 Jahre nicht mehr. Der Prophet Elias hatte dies dem Volk Israel und dessen gottlosen König Ahab als Strafe für ihre Verehrung des Gottes Baal angekündigt. Erst durch das Eingreifen Gottes endete die Trockenheit und 450 Propheten des Gottes Baal mussten ihr Leben lassen. Der Laudate-Chor unter der Leitung von Jürg Jakob brachte die musikalische Umsetzung dieses biblischen Dramas in Form des Oratoriums «Elias» von Felix Mendelsson-Bartholdy am Samstagabend in der Stadtkirche Thun zur Aufführung.
Mächler glanzvoll
Dem Bariton Marc-Olivier Oetterli oblag die Aufgabe, das Marathonpensum des «Elias» zu übernehmen. Er löste diese mehr als befriedigend, wobei auch hier ein kleines «aber» folgt: Mit der Höhe hatte der Stämpfli-Schüler so seine Mühe und sang deshalb etwas eng, wodurch dann beispielsweise der «Herr» zu einem «Hörr» wurde. Die Sopranistin Barbara Locher und auch die Mezzosopranistin Liliane Zürcher lösten ihre Schwierigkeiten mit der Höhe durch ein übetriebenes Legato: Bei Locher als Wittwe wurde der «Sohn» zu einem «So-hon», «werde» zu «we-her-de» und ein simples «Du» zu einem «Du-hu».
Es sei allerdings auch erwähnt, dass Locher in den lyrischen Passagen mit ihrer sehr wohlklingenden Stimme zu überzeugen vermochte. Zu keinen Kniffen musste der Tenor Jan-Martin Mächler greifen. Die Höhe war wie bei ihm gewohnt klar, unverkrampft und die Diktion gut.
Standing Ovations
Die Interpretation des nicht ganz einfachen Werks glückte dem Chor insgesamt überzeugend. Stark waren insbesondere die Piano-Passagen wie im Engelchor «Denn er hat seinen Engeln befohlen…», wo gerade auch die präzise Aussprache überzeugte. Die klare Diktion ging beim Chor in den bewegteren Abschnitten leider manchmal etwas verloren. Offensichtlich waren die Sängerinnen und Sänger hier mehr um musikalischen Ausdruck bemüht, denn um präzise Aussprache. Trotz dieser kleinen Mängeln war die Stimmgewalt des Chores ein Genuss, der bis zum letzten «Amen» im fulminanten Schlusschor anhielt. Nach einem kurzen Moment der Stille brauste der Applaus los. Minutenlange stehende Ovationen in der bis auf den letzten Platz besetzten Stadtkirche folgten.
Samuel Krähenbühl