© Berner Zeitung; 12.09.2005


Schwungvolle Gegensätze

Kontrastreich, schwungvoll und gegensätzlich: Der Laudate Chor, Solisten und Orchester sorgten in der ausverkauften Thuner Stadtkirche für festliche Glanzpunkte und glänzten mit berührenden, expressiven Ausdrucksformen.

Bis auf den letzten Platz füllte sich die Stadtkirche Thun. Der Laudate Chor unter Leitung von Jürg Jakob, die Sopranistin Iris Eggler, die Mezzosopranistin Claude Eichenberger und ein Orchester bestehend aus Berufsmusikern (Konzertmeister Florian Kellerhals) stimmten in Antonio Vivaldis «Gloria in D» ein. Kontrastreich wirkten die Sätze in barocker Art mit überwiegend festlich jubelndem Charakter. Bereits im Eingangschor wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer unter Einsatz der Solo-Oboe und der Trompete in das glanzvolle Werk eingeführt. Auffallend waren rhythmisch markante Motive, und – wie es bei Vivaldi nicht wegzudenken wäre – rasante Passagen.

Musikalischer Höhepunkt bildete der kunstvolle Chorsatz «Et in terra pax» mit ausdrucksvollen Dissonanzen und dem vorwärtstreibenden Orchester. Bewegt und heiter gelang die ansprechende Schlussfuge «Cum sancto spiritu».

Beeindruckendes Werk
Expressiven Ausdruck verliehen die Aufführenden dem erschütternden Mozart-Requiem. Der überragende musikalische Gehalt der grossartigen und letzten Komposition Mozarts liess sich erkennen. Neben die ausgereifte, von allem überflüssigen Beiwerk befreite Satzstruktur trat eine bei Mozart nicht gekannte überwältigende Strenge und tiefe Ernsthaftigkeit, die auch vor archaischen Satzschlüssen nicht zurückschreckte. War anfänglich der Klang zwischen Orchester und Chor etwas gewöhnungsbedürftig, wurde die Totenmesse von den Mit- wirkenden umso beeindruckender nachgezeichnet. Eindrücklich wirkte die abgesetzte Betonung des «Lux perpetua». Gänsehaut löste die spannungs- volle, feurige Explosion im «Dies irae» aus. Dramatische Intensität und stimmungsvolle anrührende Partien wie etwa das «Lacrymosa dies illa» mit Seufzer- und Schluchzermotiven begeisterten.

Heidy Mumenthaler


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