© Berner Zeitung; 29.11.2004; Seite 36

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Totenmesse mit Leid und Trost

Der Laudate-Chor und das Berner Symphonie-Orchester boten in der Thuner Stadtkirche das «Deutsche Requiem» von Johannes Brahms dar. Sie interpretierten das schwierige Werk auf überzeugende Art.

«Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.» Nach einer ausdrucksvollen Orchestereinleitung mit milden Bässen und klagenden Hörnern beginnt mit diesen Worten der leise und sehr gefühlvolle Choreinstieg in Johannes Brahms «Deutschem Requiem». Die Worte «Leid» und «Trost» sind im Werk von zentraler Bedeutung: In seiner Totenmesse konfrontiert Brahms (1833-1897) die Zuhörer nämlich unausweichlich mit der eigenen Vergänglichkeit. Mit Brahms Requiem, dem Werk, mit dem er 1994 seine Konzerttätigkeit begonnen hatte, feierte der Laudate-Chor in der Thuner Stadtkirche sein 10-Jahr-Jubiläum.

Mit viel Gefühl
Bei der Aufführung des anspruchsvollen Werkes - das zwar Sterben und Tod thematisiert, aber trotzdem voller Hoffnung ist -, zeigte der Laudate-Chor unter der Leitung von Jürg Jakob nicht nur eine eindrückliche stimmliche Leistung, sondern vor allem viel Gefühl: Die 80 Sängerinnen und Sänger gaben sich den Melodien und Texten ganz hin. Sie folgten ihrem Dirigenten durch leise, zarte Melodien ebenso wie durch brausende Fortissimos und berührten mit ihrem Gesang von Beginn weg. Dabei gelangen dem Chor auch die schwierigen Wechsel, die sich durch das ganze Werk ziehen: Gleich in mehreren der sieben Sätze wechselt die Stimmung plötzlich von beklemmenden düsteren Mollklängen hin zu freudvollen, jubelnden Teilen in Dur.

Wunderschön erklangen auch die beiden Solostimmen: Bariton René Koch legte in seinen Part ebenso viel Gefühl hinein wie Barbara Locher. Die Sopranistin hatte zwar einen kleinen Einsatz, aber ihre warme Stimme, die auch hohe Töne unverkrampft sanft und empfindsam ertönen liess, passte gut zu den Worten, die sie sang: «Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.»

Zum eindrücklichen Erlebnis trug das Berner Symphonie-Orchester bei, das den Stimmen den musikalischen Boden gab und Chor und Solisten mit ausdrucksstarker Musik unterstützte.

Sieben Jahre komponiert
In der siebenjährigen Entstehungszeit des Werks hat sich Johannes Brahms umfassend mit dem Sterben und dem Tod auseinander gesetzt - nicht zuletzt durch das Miterleben des seelischen, geistigen und körperlichen Zerfalls seines väterlichen Freundes Robert Schumann. Die Texte für das Requiem hat der deutsche Komponist aus dem Alten und Neuen Testament selber zusammengestellt. Mit Worten wie «denn alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Mesnschen wie des Grases Blumen. Das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen» berührt der Komponist existenzielle Fragen und Ängste und rüttelt auf. Gleichzeitig aber tröstet er: «Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an.»

Dirigent Jürg Jakob hat sich im Vorfeld gewünscht, dass das Publikum beim «Deutschen Requiem» Betroffenheit, Erfüllung und Freude empfinde. Genau das ist eingetroffen.

Renate Rubin


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