© Berner Zeitung; 16.03.2009; Seite 25

Thuner Tagblatt

stadt thun

KIRCHE HILTERFINGEN

Laudate-Chor eroberte Publikum

Der Laudate-Chor Thun überzeugte in der Kirche Hilterfingen mit gesanglicher Leistung in Rossinis «Petite Messe solennelle».

Der Laudate-Chor Thun führte im Herbst 2000 letztmals die «Petite Messe solennelle» von Gioachino Rossini auf. Die spezielle Färbung der ungewöhnlichen Besetzung von Flügel und Harmonium schien die Aufführenden zu faszinieren: Nun eroberte der Laudate-Chor Thun in der Kirche Hilterfingen (einen Tag vorher in der französischen Kirche Bern) unter der einfühlenden Leitung des Thuners Jürg Jakob die Zuhörenden mit Rossinis speziellen Ausdrucksmitteln.

Eindrücklich wirkten zum Auftakt die selten aufgeführten «Trois choers religieux» (La foi, L`espérance, La charité) für dreistimmigen Frauenchor mit Klavierbegleitung.

An «oper seria» orientiert

Wer sich am Samstag trotz Erwartung traditioneller kirchenmusikalischen Messen an Opernelemente erinnert fühlte – die sowohl vom Chor und vom jungen Solistenquartett und dem Pianisten umgesetzt wurden –, lag mit seiner Empfindung durchaus richtig. Es schien als pralle Opern-Konstruktion mit geistlich lateinischen Texten zusammen.

Rossini hat sich nach langer Schaffenspause in der «Petite Messe solennelle», seiner zweiten grossen kirchenmusikalischen Schöpfung, stellenweise an der italienischen «oper seria» orientiert.

Aufrüttelnde Akzente

Gekonnt umrahmten und untermalten der gebürtige Kanadier James Alexander am Klavier und die Bernerin Helene Ringgenberg am Harmonium den Chor und die Solisten. Eine grosse Aufgabe hatte der Pianist zu bewältigen, da es galt, ein Orchester auf dem Flügel wiederzugeben. Schade, dass nach leichtbeschwingten sowie lyrischen Passagen in Zwischenspielen und im solistischen «Preludio Religioso» die hart gesetzten Akkorde zu stark aufrüttelten.

Südländisches Belcanto

Der Chor überzeugte durch Ausdrucksstärke. Beim Credo wussten die Sängerinnen und Sänger gekonnt die Vokalsolisten chorisch abzulösen und sich einzufügen. Schwungvoll wirkte der Schlusschor des «Gloria» in der fulminanten Fuge über «Cum sancto spiritu». Mühelos bewältigte der Chor mit und ohne Begleitung, in Doppelquartett und teilweise mit Stimmteilung die hohen Ansprüche. Eindrücklich wirkten die grossen musikalischen Bogen, Sinnlichkeit in der Melodie und der typisch südländische Belcanto.

Wenn auch die Klanggebung nicht immer ausgeglichen war, überzeugte Susanne Bernhard als opernhafter Sopran. Beim Mezzosopran imponierte Leila Pfister durch ihre warme Stimme. Ausdrucksstark wirkten Martin Hensel als Bariton und der Russe Sergey Aksenov als Tenor. Nach dem innig schlichten «Dona nobis pacem» des Chores sparte das Publikum nicht an verdientem Applaus.

Heidy Mumenthaler
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