© Der Bund; 29.11.2004; Seite 29

Kultur

Der Bund

Musikalische Botschaften

FRANZöSISCHE KIRCHE · Wenn der Laudate-Chor Thun anlässlich seines zehnjährigen Bestehens das deutsche Requiem von Johannes Brahms wieder aufführte, erinnerte er nicht nur an sein erstes Konzert sondern auch an die Grundsätze, welche die Chorarbeit unter der Leitung von Jürg Jakob prägen: Eine sorgfältige Stimmschulung dient dem Ziel, in den Konzerten christliche Glaubensinhalte zu verkünden und zu verbreiten. Mit dem Requiem brachte der Chor, unterstützt von der Sopranistin Barbara Locher, dem Bariton René Koch und dem Berner Symphonie-Orchester, sein Leitbild zur Geltung.

Die Musik - eine persönlich gehaltene Meditation zu Trauer und Trost - orientiert sich an der Deutung einzelner Worte. Jeder Bibelvers zeigt eine Abfolge rasch wechselnder musikalischer Bilder. Der Dirigent gewichtete dieses Gestaltungsprinzip, indem er mittels Klangfarben, Tempo und Dynamik die Kontraste schärfte. Ein warmer Chorklang umhüllte die erste Seligpreisung. Lebendig fächerten sich die Stimmen auf zur freudigen Ernte (Psalm 126) und erstickten dumpf im Wort «weinen». Der zweite Satz zielte mittels gross angelegtem Crescendo auf ein mächtiges «Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit». Deutlich schien Jürg Jakob jedem zögernden Nachdenken mit Heilsgewissheit entgegnen zu wollen. In der Fuge des dritten Satzes verliehen die präzis artikulierten Paukenschläge der göttlichen Beständigkeit Gewicht. Mochte es hier das zügige Tempo dem Bariton ermöglichen, über die Choreinschübe hinweg gehaltvolle Kantilenen zu gestalten, so litt der nächste Satz daran. Als stehe der Dirigent jeglicher Sextenseligkeit skeptisch gegenüber, liess er das Metrum nur geringfügig ausladen und straffte zu früh, wobei manch innig begonnenes Instrumentalsolo nicht ausgespielt werden konnte.

Der fünfte Satz öffnete sich einer lyrischen Botschaft. Barbara Lochers tragende, auch in höchsten Lagen ausgesprochen warm klingende Sopranstimme wurde von Holzbläsern und Celli weich umspielt. Der Chor nahm die Klangfarbe der Solistin verhalten auf und interpretierte somit das Trösten als ein emphatisches Sicheinfühlen. In spitzer Diktion und marschbetontem Duktus folgten das Siegescharisma des sechsten Satzes und die letzte Seligpreisung als ausgeglichenes Wechselspiel verschiedener Chor- und Orchesterstimmen.

Bildete Jürg Jakob in den vergangenen zehn Jahren einen reich differenzierenden Chorklang heran, so lohnte das Berner Symphonie-Orchester und so krönten Barbara Locher und René Koch seinen Einsatz. Seine Deutung, hie und da zum Einspruch verleitend, erreichte, was zum Leitbild erkoren: Eine Auseinandersetzung mit musikalischen Glaubensbotschaften. (bes)


www.swissdox.ch · E-Mail: contact@swissdox.ch