Stadtkirche Thun: Laudate-Chor mit geistlichen Werken von Felix Mendelssohn
Voller Dynamik und Transparenz
Ein Gesamtkunstwerk alttestamentlicher Texte und romantischer Musik kam zu Aufführung. Mit einer tief empfundenen, glänzenden Interpretationen erfreute der Laudate Chor in der Thuner Stadtkirche.
In der Stadtkirche Thun lud der Laudate Chor für eine ergreifende Begegnung mit zwei kulturellen Schätzen von Felix Mendelssohn-Bartholdi ein. Zu Beginn erklang die nicht nur von ihrem Autor, sondern auch von Schumann hochgeschätzte Psalmkantate «Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser» (Psalm 42). Mit der Perfektion formaler Lösungen und einer virtuosen, stets transparenten Instrumentation entstand eine eigenartige Ausdrucksphäre: Einerseits Passagen von nazarenischer Milde und Süsse, und andererseits auch leidenschaftliche und schmerzliche Töne.
Tiefempfunden
Der Laudate Chor, das Opus-Orchester und die Sopranistin Barbara Locher brachten unter der umsichtigen Leitung von Jürg Jakob ein grossartiges und tief empfundenes musikalisches Bild von Sehnsucht und Suche nach Gott, die in Trost und Gottvertrauen Erfüllung finden, zu Gehör. Obschon die extremen Sopranhöhen etwas schrill wirkten, gelang es der Sängerin mit ihrem passionierten Engagement die umfangreiche Solopartie zu gestalten. Ob leidenschaftlich, klagend, ungeduldig drängend, oder in opernhaften Arien und liedhaften Rezitativen kam die durchsetzungsfähige Stimme auch im Wechsel mit Chor und Orchester zur Geltung.
Die rund 90 begeisterten Sängerinnen und Sänger überzeugten durch Präzision, Transparenz und grosse Ausstrahlung. Sie sangen höchst lebendig und dynamisch. Es entstand ein Gesamtklang, mit dem breite dynamische Stufungen und eine abgerundete, wirksame Polyphonie möglich wurden. Dazu konnten die Männerstimmen ihre Funktion als klanglich solide Stütze des Chores ebenfalls unterstreichen.
Grosse Vielfalt
Die Reihe Mendelssohns gross angelegte Psalmvertonungen fanden ihren Höhepunkt im Lobgesang op. 52, den er zur Feier des 400. Jahrestages der Erfindung des Buchdrucks (Gutenbergfest) komponierte: «Alles was Odem hat, lobe den Herrn!» Die Aufführenden brachten zum Ausdruck, wie in der Symphonie Nr. 2 geistliche und weltliche Elemente (Choral und Scherzo) zu einer wunderbaren Einheit verschmelzen und zum Abschluss in eine monumentale Fuge mit überaus forschem Tempo mündete. Die tragende Rolle der Blechbläser (zwei Trompeten und drei Posaunen), solistische Einlagen von Horn, Oboe und Fagott stellten mit ihrer klanglichen Pracht und Farbigkeit ein typisches Beispiel für den romantischen Stil Mendelssohns dar. Berührend war die Ausdruckskraft des Chores und des ausgeglichen angepassten Orchesters. Nur der fast 700 Takte umfassende rein instrumentale Sinfonia-Teil wirkte langfädig.
Subtile Leitung
Der geschmeidige Tenorsänger Tino Brütsch und der zweite Solosopran, Liliane Zürcher, erwiesen sich als kundige, musikalisch fein differenzierte Sänger. Ebenfalls in der Mittellage überzeugte die Sopranistin Barbara Locher.
hms
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