© Bund; 1997-05-20; Seite 9; Nummer 114
feuilleton
Gelungener Einstand
Musik / Laudate-Chor in der Französischen Kirche
pof. Nach mehreren ambitionierten Oratorienprojekten mit Orchesterbegleitung hat der noch junge, dynamische Laudate-Chor aus Thun mit einem ebenso reichhaltigen wie stimmig komponierten A-cappella-Programm mit Werken des Jubilars Felix Mendelssohn und seines Vorbilds Bach die Herausforderung angenommen und für einmal ganz auf seine eigenen zahlreich vorhandenen, gut ausgebildeten Kräfte vertraut.
Mit souveränen, gemessenen Interpretationen von Mendelssohn-Kompositionen wie «Ehre sei Gott in der Höhe» für Soli und Doppelchor a cappella oder auch «Mitten wir im Leben sind» bewies das Ensemble unter der stark differenzierenden, auf Transparenz und Homogenität bedachten Leitung Jürg Jakobs, dass es die spezifischen technischen und musikalischen Schwierigkeiten des A-cappella-Gesangs weitgehend beherrscht und zudem über erstaunliche, ausbaufähige Klangressourcen verfügt. Einer weiteren Entwicklung des Laudate-Chors darf man mit Spannung entgegensehen.
Sinnvoll erschien die Gegenüberstellung mit Bachs «Jesus, meine Zuversicht», «Jube Domine» und «Jauchzet dem Herrn alle Welt», zumal die vorgängigen Kompositionen von Mendelssohn in einem Rezeptionsverhältnis stehen. Die Ausführenden waren um eine strukturierte und präsente Deutung bemüht.
Fast durchgängig Positives ist auch vom Solistenquartett zu vermelden. Ursula Ryth, mit strahlkräftigem, hellem Sopran und leider etwas forciertem Vibrato. Liliane Zürchers schattierungsreiche Altstimme mischte sich in Mendelssohns «Lass, o Herr, mich Hilfe finden», und «Deines Kind's Gebet erhöre» besonders gut mit dem Chorklang. Christophe Einhorn überzeugte mit flexiblem, höhensicherem Tenor, während Marc-Olivier Oetterli über einen voluminösen, zumeist wohltimbrierten Bass verfügt. Wieslaw Pipczyniski gebühren Verdienste als umsichtiger und einfühlsamer Begleiter am Orgelpositiv. Erfrischend wirkte seine einfallsreiche, farbenfrohe Orgelfantasie über den Choral «Mitten wir im Leben sind».