© Bund; 1996-09-10; Seite 6; Nummer 211
Feuilleton
Te Deum und Messe
Rohrbach / Der Laudate-Chor Thun in der Kirche
hk. Der Thuner Laudate-Chor, 1993 von seinem Leiter Jürg Jakob gegründet, hat sich einen Namen gemacht mit Aufführungen geistlicher Werke. Jetzt bestätigte er sich in der Stadtkirche Thun und in der reformierten Kirche Rohrbach mit dem «Dettinger Te Deum» von Händel und der C-Dur-Messe von Beethoven als hochklassige vokale Einheit. Auch diesmal hielten dem Chor Mitglieder des Berner Symphonieorchesters die Treue, und als qualifizierte Solisten standen Barbara Locher (Sopran), Liliane Zürcher (Alt), Frieder Lang (Tenor) und Michel Brodard (Bass) auf dem Podium.
In Rohrbach waren die räumlichen Verhältnisse knapp. Dass so auch für das Klangvolumen nicht die entsprechende Akustik gegeben war, fiel kaum ins Gewicht, denn Jürg Jakob gestaltete mit jener Geschmeidigkeit, die das Detail wohl pflegte, es aber zum Bestandteil der grossen Linie werden liess.
Dass sich Dirigent und Chor spürbar vom Geist beider Werke inspirieren liessen, prägte sich unter anderem in der auch sprachlich vorzüglich umgesetzten Intonationsreinheit aller Register aus, befähigte Chor und Orchester aber vor allem zur Differenzierung. Händels Oratorium packte in seiner kraftvoll strahlenden Markanz, in der Kontur der Wechselwirkungen zwischen den Stimmen und dem Orchester, das mit seiner substanzvollen Differenzierung zwischen Bläsern und Streichern gefiel. In Beethovens Messe hatten die Gesangssolisten im wirkungsvollen Gegenüberstellen von dramatischem Ausbruch mit meditativen Momenten eindrücklichen Anteil.